In den letzten Wochen haben wir im Medienzentrum bewusst eine große Vielfalt an Adventskalendern getestet. Von Kalendern mit Minecraft-Figuren über Bücher, Pflanzen und Kerzen bis hin zu DIY-Kalendern war alles dabei. Auf den ersten Blick mag das ungewöhnlich erscheinen: Adventskalender sind doch „nur eine nette Tradition“, oder? Doch für uns ging es längst nicht um Süßigkeiten oder Dekoration, sondern um pädagogische Ideen für den Unterricht. Wir wollten herausfinden, wie man Adventskalender kreativ, nachhaltig und lehrreich einsetzen kann – ohne dass jede Lehrkraft für jede Klasse einen teuren Kalender kaufen muss.
Adventskalender sind mehr als tägliche Überraschungen. Sie können im Unterricht als Mittel und wiederkehrendes Ritual und Element dienen, um:
- Neugier und Motivation zu fördern
- Alltagsrituale und Struktur zu vermitteln
- Inhalte fächerübergreifend zu präsentieren
- Selbstständigkeit und kleine Aufgaben regelmäßig zu üben.
Für Kinder und Jugendliche kann ein Adventskalender dabei helfen, Planung, Geduld und Reflexion spielerisch einzuüben. Genau das wollten wir testen: Welche Formate unterstützen Lernprozesse wirklich, und welche wirken eher oberflächlich? Welche Ideen können wir daraus ziehen, um vielleicht im nächsten Jahr selbst ein solches Format langfristig herstellen zu können? Natürlich könnt ihr – die finanziellen Mittel vorausgesetzt – einen Kalender gemeinsam mit euren Schülern öffnen und als Ritual einführen. Das war aber gar nicht unser Hintergrundgedanke – dieser stützt sich auf die Idee, mit 3D-Druck, Schneidplottern, eigenen Hobbys, Pflanzen oder Geschichten eigene Inhalte zu gestalten.
Alleine die Herstellung und Planung eines solchen Kalenders fördert vielfältige Kompetenzen. Die Gestaltung eines Adventskalenders ist ein komplexer Prozess, der mehrere Planungsschritte erfordert: Auswahl von Inhalten, Strukturierung der 24 Türchen, zeitliche Abstimmung und Materialbeschaffung.
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Studien zur Förderung von Exekutivfunktionen im schulischen Kontext zeigen, dass selbstständige Planung und Organisation das Arbeitsgedächtnis, die Handlungsplanung und Problemlösefähigkeiten stärken (Diamond, 2013). Insofern fördern projektartige Unterrichtsphasen wichtige Kernkompetenzen auf vielfältiger Ebene (Selbst- und Eigenkompetenz, Fachkompetenz).
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen müssen überlegen, welche Aufgaben sie an welchem Tag platzieren, wie viel Zeit für die Umsetzung nötig ist und welche Materialien zur Verfügung stehen – dies müssen sie festhalten und projektartig skizzieren.
- Kompetenzen: Zeitmanagement, Priorisierung, eigenständige Entscheidungsfindung.
Alleine die Gestaltung ist ein spezifischer Prozess, welcher durch die Fächer Kunst, wie auch Werken flankiert werden kann:
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Kreative Aufgaben fördern divergentes Denken, Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, multiple Perspektiven einzunehmen (Runco & Acar, 2012). Kreativität wird als Schlüsselkompetenz in der Bildungsforschung zunehmend als wichtiger Bestandteil der 21st-Century-Skills gesehen (OECD, 2018). Nur wer kreativ denkt, überwindet Grenzen und kann nicht überwindbare Hürden abbauen und hinter sich lassen.
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen entwickeln eigene Ideen, kombinieren visuelle Gestaltung mit Inhalt, passen Materialien und Aufgaben an die Zielgruppe (z. B. Mitschüler:innen) an. Dabei führen Sie eigene Recherchen zur Zielgruppe und deren Bedürfnisse durch.
- Kompetenzen: Divergentes Denken, Gestaltungskompetenz, Innovationsfähigkeit.
Die Produktion eines Adventskalenders beinhaltet zahlreiche kleine Problemstellungen: Wie kann man die Inhalte ansprechend verpacken? Welche Reihenfolge macht didaktisch Sinn? Welche Materialien sind verfügbar?
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Problemorientiertes Lernen (Problem-Based Learning, PBL) steigert die Fähigkeit, komplexe Aufgaben zu analysieren, Lösungen zu entwickeln und kritisch zu reflektieren (Hmelo-Silver, 2004). Gerade die Reflexion von Ergebnissen ist relevant für Lernprozesse und Nachsteuerungen.
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen lernen, alternative Lösungen zu entwickeln, Entscheidungen zu begründen und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren.
- Kompetenzen: Analytisches Denken, Entscheidungsfindung, Flexibilität.
Wenn Inhalte für Adventskalender selbst erstellt werden – z. B. kleine Texte, Rätsel, Anleitungen oder Reflexionsaufgaben – werden die Sprach- und Schreibfähigkeiten geschult.
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Schreiben im Rahmen authentischer Aufgaben fördert sowohl orthographische und grammatische Fertigkeiten als auch die Ausdrucksfähigkeit und Textkohärenz (Graham & Perin, 2007). Auch Lesen schult diese Fähigkeit – jedoch wissen wir, wie schwierig das regelmäßige Lesen im Alltag ist.
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen üben präzises Formulieren, klare Anleitungen geben und kreative Texte schreiben.
- Kompetenzen: Sprachliche Ausdrucksfähigkeit, Textgestaltung, Kommunikationsfähigkeit.
Die Erstellung eines Klassen-Adventskalenders bietet ideale Gelegenheiten für kooperatives Arbeiten. Gruppen müssen Inhalte abstimmen, gemeinsam Entscheidungen treffen und Aufgaben aufteilen.
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Kooperative Lernformen stärken soziale Kompetenzen, Teamfähigkeit, Konfliktlösungsstrategien und Verantwortungsbewusstsein (Johnson & Johnson, 2009). Dies bildet Teamprozesse im späteren Arbeitsleben ab und hilft, sich hier zurecht zu finden und Erfolgserlebnisse zu generieren.
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen lernen Kompromisse zu schließen, Aufgaben zu delegieren und Verantwortung für das gemeinsame Ergebnis zu übernehmen.
- Kompetenzen: Kooperationsfähigkeit, Empathie, soziale Verantwortung.
Die Erstellung eines Adventskalenders kann auch dazu genutzt werden, Lernprozesse zu reflektieren: Welche Inhalte waren leicht, welche schwer? Welche Aufgaben kamen gut an?
- Wissenschaftlicher Hintergrund: Metakognition – die Fähigkeit, über das eigene Lernen nachzudenken – verbessert die Lernstrategien, die Selbstregulation und die Transferfähigkeit von Wissen (Flavell, 1979).
- Unterrichtlicher Nutzen: Schüler:innen reflektieren ihre Entscheidungen beim Gestalten der Kalenderinhalte und können daraus Rückschlüsse für zukünftige Projekte ziehen.
- Kompetenzen: Selbstreflexion, Lernstrategien, Transferfähigkeit.
Die selbstständige Produktion von Adventskalendern ist weit mehr als eine Bastelaktion: Sie verbindet Planung, Kreativität, Problemlösung, Sprache, Sozialkompetenz und Reflexion. Aus pädagogischer Sicht fördert sie zentrale Kompetenzen, die in modernen Lehrplänen und Bildungsstandards als Kernkompetenzen für Schüler:innen ausgewiesen werden. Darüber hinaus bietet ein selbst gestalteter Adventskalender ein unmittelbares Erfolgserlebnis, das Motivation und Selbstwirksamkeitserleben stärkt – zwei Faktoren, die nachweislich das Lernen positiv beeinflussen (Bandura, 1997).
Produkte im Allgemeinen fördern eine tiefere Verbundenheit und Sinnstiftung mit dem Lerngegenstand. Kurz gesagt: Wer Adventskalender selbst produziert, entwickelt spielerisch die Kompetenzen, die für Schule, Studium und Berufsleben gleichermaßen relevant sind.
Auch wir haben einiges dazu gelernt und konnten verschiedene Ideen aus unseren eigenen Tests extrahieren und möchten diese gerne für euch weitergeben. Dafür haben wir euch unsere „Top-5“ hier aufgeführt :)
Pflanzen im Unterricht
Idee: Mini-Botanik im Klassenzimmer
- Jeden Tag ein kleines Pflanz-Experiment: Samen einpflanzen, Blätter beobachten oder Wachstum dokumentieren.
- Aufgabenbeispiele: „Finde heraus, wie viel Licht diese Pflanze braucht“ oder „Zeichne das Wachstum der Pflanze über die Woche“.
- Pädagogischer Nutzen: Naturbeobachtung, Geduld, Verantwortungsbewusstsein.
Variante: DIY-Klassen-Adventskalender mit kleinen Tütchen Samen und Aufgabenzetteln.
Alternativvariante: kleine Setzlinge oder Triebe von Pflanzen zu Hause mitnehmen
Pen & Paper im Unterricht
Idee: „24 Tage Mini-Rollenspiel“
- Jeden Tag eine kleine Mini-Aufgabe: Ein Charakter darf etwas tun, eine kleine Herausforderung lösen oder eine Entscheidung treffen.
- Beispiel: „Dein Charakter steht vor einem verschlossenen Tor. Welche drei Gegenstände könntest du nutzen?“ oder auch: Mathematik-Rätsel – bezogen auf Stochastik oder Algebra (Oberstufe)
- Pädagogischer Nutzen: Kreatives Denken, Problemlösung, Sprachförderung, Zusammenarbeit.
Variante: Schüler:innen gestalten eigene kleine RPG-Szenarien in Gruppen, die sie dann Tag für Tag „spielen“. Die Entscheidungen können z.B. per Tool in der Klasse getroffen werden (Abstimmung)
Alternativvariante: Herstellung von Produkten für einen gemeinsamen Pen and Paper – Abend, z.B. Kerzen selbst herstellen, Szenarien entwickeln, 3D-Drucke anfertigen – das geht sogar fächerübergreifend.
Dein Hobby-Kalender
Idee: „Tech- und Rätsel-Advent“ oder auch : „Kalender mit Spenden oder Fair-Trade-Produkten“
Alternatividee: keine thematische Fokussierung, sondern ein allgemeiner Hobby-Kalender
- Jeden Tag ein kleines Rätsel, ein Experiment oder eine Coding-Aufgabe: z. B. Logikrätsel, kleines Arduino-Experiment oder ein Mini-Coding-Challenge in Scratch. Alternativ jeden Tag ein anderes Produkt aus dem Fair-Trade-Bereich mit Herkunftsgeschichte
- Pädagogischer Nutzen: Logisches Denken, Medienkompetenz, Problemlösung, Nachhaltigkeit
Variante: DIY-Kalender: Jede Tür ist eine kleine digitale Challenge, die Schüler:innen in Gruppen lösen.
Alternativvariante: jeder Schüler / jede Schülerin bringt etwas von zu Hause mit, um sein Hobby, sein Interesse zu repräsentieren. Diese Dinge werden dann im Kalender weitergegeben, um Mitschüler zu motivieren.
Alternatividee : jeder Schüler / jede Schülerin steuert ein spezifisches Fair-Trade-Produkt bei oder informiert sich über soziale Projekte oder Spenden in diesem Bereich – vielleicht Spenden die Eltern und man kann hier eine kleine Geschichte dazu erzählen und das Projekt sichtbar machen.
Minecraft – oder Minecraft-Figuren-Kalender
Idee: „Baue deine eigene Welt“
- Jeden Tag ein Mini-Bau- oder Kreativauftrag: „Baue ein Haus aus 3 Blöcken, das stabil ist“ oder „Gestalte einen Charakter mit bestimmten Eigenschaften“.
- Pädagogischer Nutzen: Kreativität, räumliches Vorstellungsvermögen, Planung, Teamarbeit.
Variante: Papier- oder LEGO-Version: Schüler:innen erstellen kleine Modelle nach Aufgaben, die wie „Türchen“ aufgeteilt sind.
Alternativvariante : Storytelling / Geschichten mit schon vorgegebenen Figuren oder Modellen
Sensorik-Kalender (Geschmack u. Geruch)
Idee: „Sensorik und Geschmacksexperimente“
- Jede „Tür“ könnte ein Mini-Experiment zum Thema Geschmack sein: z. B. Aromen beschreiben, eigene Getränke mischen, kleine Verkostungen (mit Wasser, Säften oder Tee).
- Aufgabenbeispiele: „Finde fünf Worte, die den Geschmack dieses Getränks beschreiben“ oder „Gestalte ein eigenes Getränk und notiere die Zutaten“.
- Pädagogischer Nutzen: Sensorische Wahrnehmung, kreatives Denken, Notation von Beobachtungen.
Variante: DIY-Klassenversion: Schüler:innen gestalten „Getränke-Experimente“ als Türchen.
Alternativvariante: Inhaltsstoffe der Getränke überprüfen und eine Meinung dazu entwickeln, d.h. einerseits der Ansicht des Geschmacks / Sensorik, aber auch die kritische Reflexion











