Wie sich übersichtliche Lernwege mit individueller Unterstützung verbinden lassen
Eine Schülerin hat die Aufgabe verstanden, findet aber keinen Anfang. Neben ihr ist jemand längst fertig und könnte eine anspruchsvollere Frage vertragen. Zwei Tische weiter scheitert eine Gruppe an einem Fachbegriff. Solche Situationen gehören zum Unterricht. Die Kombination aus Edumaps und AIS.chat kann helfen, diese unterschiedlichen Bedürfnisse aufzugreifen: mit einem gemeinsamen, überschaubaren Arbeitsraum und einer zusätzlichen Möglichkeit, während der Bearbeitung Unterstützung zu erhalten.
Edumaps macht Materialien, Aufgaben und Ergebnisse an einem Ort zugänglich. AIS.chat ergänzt vorbereitete Lernangebote um Gespräche, in denen Lernende nachfragen, Lösungswege erläutern oder Argumente erproben können. Der pädagogische Gewinn entsteht dort, wo beides zusammenpasst: Die Lernenden wissen, woran sie arbeiten, nutzen passende Hilfen und entwickeln ein Ergebnis, das sie selbst erklären können.
So arbeiten beide Werkzeuge zusammen
Edumaps ermöglicht unter anderem digitale Pinnwände und Wochenpläne, die Bereitstellung unterschiedlicher Medien sowie gemeinsames Arbeiten. Texte können vorgelesen, Ergebnisse beispielsweise als Text oder Aufnahme festgehalten werden. Für eine Unterrichtseinheit lassen sich die Boxen nach Arbeitsschritten ordnen: Einstieg, Material, Aufgabe, Unterstützung und Ergebnissicherung. Auch Edumaps selbst enthält KI-Funktionen. Für die hier vorgestellte Kombination nutzen wir es vor allem zur Organisation des Lernwegs.
AIS.chat bietet neben Hilfen für die Unterrichtsvorbereitung auch konfigurierbare Lernszenarien und fiktive Dialogpartner. Lehrkräfte legen deren Auftrag fest und teilen einen zeitlich begrenzten Zugang mit der Lerngruppe. Ein einfacher Weg zur Verbindung besteht darin, den Freigabelink in die passende Edumaps-Box – oder auch an der Tafel per QR-Code zu setzen. Die Lernenden öffnen den Chat, bearbeiten ihren Auftrag und halten das Ergebnis anschließend in Edumaps oder im Heft fest. Eine besondere Schnittstelle ist dafür nicht erforderlich. Die Übertragung ausgewählter Ergebnisse erfolgt bei diesem Vorgehen durch die Lernenden.
Was die Didaktik dazu beiträgt
Ein hilfreicher Maßstab ist Hilbert Meyers „Was ist guter Unterricht?“ Zu seinen bekannten Qualitätsmerkmalen gehören klare Strukturierung, individuelles Fördern und intelligentes Üben. Darauf lässt sich die Kombination beziehen: Eine verständlich aufgebaute Map unterstützt die Orientierung; ein gezielt vorbereiteter KI-Dialog kann beim Üben dort ansetzen, wo gerade eine Frage entsteht (vgl. Meyer, H. (2004). Was ist guter Unterricht? Cornelsen Scriptor.)
Andreas Helmke beschreibt Unterricht in seinem Angebots-Nutzungs-Modell als Lernangebot, dessen Wirkung auch davon abhängt, wie Schülerinnen und Schüler es tatsächlich nutzen. Eine verfügbare Hilfe allein garantiert noch keinen Lernfortschritt (Helmke, A. (2017). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität: Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts (7., überarb. Aufl.). Klett Kallmeyer.)
Für die Unterrichtsplanung folgt daraus eine konkrete Frage: Was sollen die Lernenden nach dem Chat selbst besser können? Gerade diese Frage basiert auf konkreten Kompetenzen und befähigt die Schülerinnen und Schüler im Optimalfall zu konkreten Handlungen oder weiteren Lernbewegungen. Die folgenden Unterrichtsideen knüpfen an diese didaktischen Grundsätze an.
Geschichten überarbeiten in der Grundschule
In einer dritten oder vierten Klasse schreiben die Kinder im Deutschunterricht zu einer Bilderfolge. Ziel ist eine Geschichte, deren Handlung andere nachvollziehen können. In Edumaps liegen die Bilder, ein kurzer Arbeitsauftrag und eine Wortschatzhilfe bereit. Die Kinder erzählen zunächst einem Partnerkind ihre Idee und schreiben einen ersten Entwurf. So gibt es bereits etwas Eigenes, an dem die Rückmeldung ansetzen kann.
Für eine gemeinsame Überarbeitungsphase lässt sich AIS.chat als fragender Lesepartner vorbereiten. Die Lehrkraft führt den Dialog gemeinsam an der digitalen Tafel anhand eines selbst verfassten Beispieltextes. Ein möglicher Auftrag an die KI lautet: „Hilf dabei, diese Geschichte verständlicher zu machen. Stelle jeweils nur eine kurze Frage zu einer unklaren Stelle. Schreibe die Geschichte nicht um.“ Vielleicht fragt die KI dann, weshalb die Hauptfigur plötzlich den Raum verlässt. Die Klasse prüft, ob diese Rückfrage berechtigt ist, und entwickelt eine Ergänzung.
Anschließend überarbeiten die Kinder ihre eigenen Texte mit derselben Aufmerksamkeit. In Edumaps kann eine kleine Sammlung von Vorher-nachher-Beispielen entstehen. Jedes Kind erklärt eine Änderung: „Ich habe ergänzt, warum …“ Der Nutzen liegt in der nachvollziehbaren Textarbeit. Die KI bleibt in dieser Variante vollständig in der Hand der Lehrkraft; ein selbstständiger Kinderchat ist dafür nicht nötig.
Medienbildung beginnt lange vor dem ersten eigenen Smartphone
Die meisten Kinder bringen schon bei der Einschulung Erfahrungen mit digitalen Medien mit – auch wenn sie noch kein eigenes Handy besitzen. Sie schauen Videos auf dem Smartphone ihrer Eltern, hören ältere Geschwister über Chats sprechen oder greifen auf dem Schulhof Themen auf, die sie aus dem Internet kennen. Im Ganztag lässt sich daran gut anknüpfen, ohne die Kinder einfach länger vor einen Bildschirm zu setzen. Gemeinsam können sie herausfinden, warum kurze Videos so schwer loslassen, wie Werbung unsere Aufmerksamkeit gewinnt oder weshalb man Fotos von anderen nicht ungefragt veröffentlichen darf. Dafür braucht es weder eigene Social-Media-Konten noch lange Bildschirmzeiten. Vieles lässt sich mit Bildkarten, Rollenspielen, Hörgeschichten oder einem gemeinsam produzierten Trickfilm erarbeiten.
Auch KI kann dabei behutsam eingesetzt werden. Die Kinder stellen beispielsweise gemeinsam mit einer Lehr- oder Betreuungskraft eine Frage und prüfen anschließend: Stimmt die Antwort wirklich? Was steht dazu im Sachbuch? Was haben wir selbst beobachtet? Auf diese Weise merken sie ganz nebenbei, dass eine Antwort überzeugend klingen und trotzdem falsch sein kann. KI kann Ideen für Geschichten liefern, Rätsel erfinden, schwierige Begriffe erklären oder beim Übersetzen helfen. Sie sollte in diesem Alter aber kein bloßer Zeitvertreib sein. Entscheidend sind kurze, begleitete Phasen, der Schutz persönlicher Daten und ein guter Wechsel zwischen digitalen und analogen Aktivitäten. Es geht also nicht darum, möglichst viele Medien zu nutzen. Kinder sollen vielmehr lernen, neugierig, aufmerksam und zunehmend selbstbestimmt mit ihnen umzugehen. Die wichtigste Regel begleitet sie dabei von Anfang an: Nicht alles sofort glauben, sondern gemeinsam nachprüfen.
Rabattangebote durchschauen in der Sekundarstufe I
Für Klasse sieben oder acht an Haupt-, Real- oder Gesamtschulen eignet sich ein Vergleich von Rabattaktionen im Mathematikunterricht. Ein Kopfhörer kostet 100 Euro. Geschäft A gewährt 30 Prozent Rabatt; Geschäft B erst 20 Prozent und anschließend weitere 10 Prozent auf den reduzierten Preis. In Edumaps finden sich die Angebote, ein Prozentstreifen und bei Bedarf eine Beispielrechnung. Die Jugendlichen entscheiden zunächst zu zweit, welches Angebot günstiger ist, und begründen ihre Vermutung.
Wer feststeckt, öffnet ein vorbereitetes AIS.chat-Lernszenario: „Lass dir zuerst meinen bisherigen Rechenweg erklären. Stelle dann eine Frage, die mir beim nächsten Schritt hilft. Achte besonders darauf, auf welchen Preis sich der jeweilige Prozentsatz bezieht.“ Diese Anweisung muss die Lehrkraft vorab erproben; sie garantiert kein fehlerfreies Verhalten des Sprachmodells.
Die abschließende Erklärung kommt wieder in die Map: Bei A bleiben 70 Euro, bei B 72 Euro. Entscheidend ist die Begründung, warum die zweite Ermäßigung von 80 Euro ausgeht. Schnellere Lernende untersuchen, ob die Reihenfolge der beiden Rabatte einen Unterschied macht. Zum Stundenende löst jede Person eine kurze verwandte Aufgabe ohne KI. So lässt sich erkennen, wer das Prinzip auch auf andere Zahlen übertragen kann.
Individuelle und sprachliche Unterstützung ermöglichen
In einer Lerngruppe mit dem Förderschwerpunkt Lernen kann eine Unterrichtssequenz das Planen einer Busfahrt zum Praktikumsbetrieb aufgreifen. Edumaps enthält einen vereinfachten, fiktiven Fahrplanausschnitt, eine Karte und einzelne Arbeitsaufträge. Die Lernenden markieren zunächst Abfahrts- und Ankunftszeit. Danach prüfen sie, welche Verbindung das rechtzeitige Ankommen ermöglicht. AIS.chat erhält dieselben Fahrplandaten und soll bei Rückfragen auf die passende Stelle hinweisen. Es soll keine Verbindungen ergänzen oder aktuelle Fahrplanauskünfte erfinden.
Je nach Unterstützungsbedarf begleitet die Lehrkraft den Dialog oder übernimmt die Eingabe. Kurze Antworten, eine Frage pro Schritt und zusätzliche Bildhilfen halten die Aufgabe überschaubar. Am Ende erläutern die Lernenden ihre gewählte Verbindung mithilfe der Karte. Ob die Darstellung hilft, muss an der jeweiligen Lerngruppe geprüft werden; ein kurzer Text ist nicht automatisch barrierefrei.
Für Deutsch als Zweitsprache lässt sich das Thema sprachlich erweitern: Mit Satzanfängen aus Edumaps üben Jugendliche im KI-Dialog eine Nachfrage am Informationsschalter. Anschließend spielen sie die Situation miteinander. Sprachlicher Unterstützungsbedarf erlaubt dabei keinen Rückschluss auf die fachliche Leistungsfähigkeit. Sprachhilfen können den Zugang zu einer anspruchsvollen Aufgabe öffnen, ohne ihren Inhalt zu vereinfachen.
Argumente prüfen in der gymnasialen Oberstufe
In Ethik oder Politik kann eine Doppelstunde der Frage nachgehen, ob Gesichtserkennung auf einem Schulgelände eingesetzt werden sollte. In Edumaps stellt die Lehrkraft geprüfte Materialien bereit, die Sicherheitsinteressen, Privatsphäre und mögliche Fehlentscheidungen beleuchten. Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden zunächst Tatsachenbehauptungen von Werturteilen und formulieren eine begründete Position. Erst danach beginnt die Arbeit mit AIS.chat.
Ein vorbereitetes Lernszenario übernimmt die Rolle eines kritischen Gesprächspartners: „Prüfe meine Argumentation. Frage nach unbelegten Annahmen und möglichen Einwänden. Stelle jeweils nur eine Frage. Erfinde keine Studien oder Quellen. Formuliere mein Urteil nicht für mich.“ Wer beispielsweise Sicherheit als Begründung anführt, könnte nach einem Beleg für den angenommenen Sicherheitsgewinn gefragt werden. Die Lernenden entscheiden anhand der Materialien, ob sie eine Aussage stützen, einschränken oder zurücknehmen müssen.
In Edumaps dokumentieren sie ihre Ausgangsthese, eine relevante KI-Rückfrage und die überarbeitete Begründung. Eine anschließende Diskussion findet ohne Chat statt. Dadurch wird der Einfluss der Rückmeldung sichtbar. Auch eine unpassende Rückfrage kann ergiebig sein, wenn die Lernenden erklären, weshalb sie am Problem vorbeigeht. Die Fähigkeit, einem plausibel klingenden System begründet zu widersprechen, gehört hier ausdrücklich zum Lernziel.
Kundengespräche üben an beruflichen Schulen
In einer kaufmännischen Berufsschulklasse lässt sich die Bearbeitung einer Reklamation vorbereiten. Edumaps bündelt eine fiktive Bestellung, Angaben zum beschädigt gelieferten Produkt und einen von der Lehrkraft festgelegten Handlungsspielraum. Dazu kommen Kriterien für das Gespräch: das Anliegen klären, verständlich antworten und einen zulässigen nächsten Schritt vereinbaren. Die Auszubildenden entwickeln zunächst passende Einstiegsfragen.
Ein AIS.chat-Dialogpartner spielt anschließend eine verärgerte Kundin. Die Lehrkraft gibt ihm den Fall und die Anweisung, fehlende Informationen erst auf Nachfrage mitzuteilen. Zwei Lernende bearbeiten den schriftlichen Dialog gemeinsam: Eine Person formuliert, die andere beobachtet anhand der Kriterien. Nach einigen Gesprächswechseln tauschen sie die Aufgaben. Auszüge werden gesichert und in Edumaps kommentiert: Welche Formulierung half bei der Klärung? Wo wurde vorschnell etwas versprochen?
Danach folgt ein mündliches Rollenspiel mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Hier werden auch Tonfall und Gesprächspausen erfahrbar. Der KI-Dialog bietet zuvor eine wiederholbare Gelegenheit, Formulierungen auszuprobieren. Die Bewertung des Gesprächs erfolgt durch die Lehrkraft anhand der bekannten Kriterien. Für Fremdsprachenunterricht lässt sich dasselbe Prinzip etwa auf eine Hotelrezeption oder eine schriftliche Kundenanfrage übertragen.
Mit überschaubarem Aufwand anfangen
Für den Einstieg genügt eine einzelne Unterrichtssequenz mit einem klaren Lernziel. In Edumaps sollten Arbeitsauftrag, zulässige KI-Hilfe und erwartetes Ergebnis unmittelbar zusammenstehen. Ein brauchbarer Auftrag wäre: „Entwickle zuerst eine eigene Lösung. Nutze bei Bedarf den verlinkten Chat. Halte einen hilfreichen Hinweis fest und erkläre, was du dadurch verändert hast.“ Eine vollständig ausgearbeitete Antwort der KI sagt wenig darüber aus, was die Schülerin oder der Schüler verstanden hat.
Die Vorbereitung umfasst auch einen Probelauf mit typischen Schülerantworten: Was passiert bei einer falschen Annahme, einem sehr knappen Beitrag oder der Bitte um die komplette Lösung? Hilfen können bereits in Edumaps unterschiedlich angeboten werden, etwa als Wortliste, Beispiel oder Vertiefungsfrage. So bleibt Unterstützung auch ohne Chat verfügbar. Partnerarbeit mit wechselnden Aufgaben ermöglicht den Einstieg mit wenigen Geräten. Vor der Stunde werden Freigabelinks, zeitliche Verfügbarkeit und das verbleibende Nutzungsbudget geprüft. Für die Materialerstellung kann AIS.chat Entwürfe für sprachliche Varianten, Zusatzaufgaben oder Rückfragen liefern. Die Lehrkraft prüft deren fachliche Richtigkeit und Anspruch, bevor sie sie in Edumaps übernimmt. Ein gemeinsam weiterentwickelter Aufgabenbestand kann auf Dauer Vorbereitungsarbeit sparen. Beim ersten Einsatz braucht die Einrichtung allerdings Zeit. Sinnvoll ist deshalb, zunächst einen gut durchdachten Ablauf zu erproben und anschließend zu verbessern.
Nach der ersten Unterrichtseinheit lohnt sich der Blick auf konkrete Arbeiten: Konnte jemand einen Rechenfehler erklären, eine Geschichte verständlicher machen oder ein Argument besser begründen? Dazu kommt die Rückmeldung der Klasse, welche Hilfe tatsächlich weitergebracht hat. Daraus ergibt sich, wie die nächste Map aussehen sollte und an welcher Stelle ein KI-Dialog sinnvoll ist. Die Lehrkraft gewinnt damit eine zusätzliche Möglichkeit, auf unterschiedliche Lernwege einzugehen, und behält die gemeinsamen Gespräche über das Gelernte im Mittelpunkt.
Du bist schon Edumaps-Profi? Hier die Neuerungen in Q3/26
- Checklisten-Modus: Aufgaben, Materiallisten und die Vorbereitung auf Klassenfahrten oder Prüfungen im Blick behalten.
- Multiples Kopieren: Maps an Gruppen verteilen.
- Like-Funktion: Fotos und Videos mit Likes versehen.
- Mehr Übersicht: Automatische Inhaltsverzeichnisse, Sortierdialog und automatische Nummerierung nutzen.
- Neues Format „Journal“: Eine weitere Möglichkeit kennenlernen, Inhalte darzustellen.
- Persönliche Gestaltung und Bildqualität: Das Profilbild des Autors anzeigen und Bilder unkomprimiert hochladen.
- Sicherungen und Papierkorb: Möglichkeiten zur Sicherung und zum Umgang mit gelöschten Maps kennenlernen.

