Der Schreibtisch ist voll, auf dem Desktop sind mehrere Dokumente geöffnet und die Konzentration lässt langsam nach. In solchen Momenten greifen viele Menschen zum Smartphone, wechseln in soziale Netzwerke oder schauen „nur kurz“ ein Video – und finden sich wenige Minuten später in einem kaum endenden Strom neuer Inhalte wieder. Eine ruhigere Alternative können sogenannte Cozy Games sein: Spiele, die nicht von Zeitdruck, Wettbewerb oder permanenten Erfolgserlebnissen leben, sondern von überschaubaren Aufgaben, freundlichen Welten und einem selbst gewählten Tempo.
Cozy Games sind dabei kein klar abgegrenztes Genre. Der Begriff beschreibt vielmehr eine bestimmte Spielerfahrung. Typisch sind eine warme Gestaltung, entspannte Musik, konstruktive Tätigkeiten und geringe Konsequenzen bei Fehlern. Statt Gegner zu besiegen, werden beispielsweise Gärten angelegt, Tiere versorgt, Räume gestaltet oder versteckte Gegenstände gesucht. Einige Spiele eignen sich für kurze, bewusst gesetzte Pausen. Andere können einen zweiten Bildschirm in eine bewegte, atmosphärische Kulisse verwandeln. Entscheidend ist jedoch, wie sie genutzt werden. Dies ist natürlich das komplette Gegenteil zu schnellen Games wie z.B. Shootern, verfolgt aber auch einen ganz anderen Zweck.
Lernen verlangt über längere Zeit Aufmerksamkeit und Selbststeuerung. Gerade bei komplexen Aufgaben kann es deshalb hilfreich sein, die Arbeit in konzentrierte Phasen und klar begrenzte Pausen aufzuteilen. Ein Cozy Game kann in einer solchen Pause einen deutlichen Wechsel ermöglichen: weg von Texten, Formeln oder Karteikarten und hin zu einer kleinen Welt, in der eine überschaubare Handlung unmittelbar sichtbar wird. Wir stellen euch vier verschiedene Spiele vor, welche vom reinen „Hintergrundbild“ bis hin zu vollwertigen Spiel reichen.
Wissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass ein solcher Wechsel tatsächlich zur emotionalen Erholung beitragen kann. Rupp und Kolleginnen und Kollegen ließen 66 Versuchspersonen zunächst eine anstrengende Aufmerksamkeitsaufgabe bearbeiten. Anschließend verbrachten sie eine fünfminütige Pause entweder mit einem Casual Game, einer angeleiteten Entspannungsübung oder ohne besondere Beschäftigung. Die Spielgruppe zeigte eine stärkere emotionale Erholung und ein höheres Engagement. Eine Verbesserung der gemessenen kognitiven Leistungsfähigkeit ließ sich dagegen nicht nachweisen. Das Ergebnis ist wichtig: Ein kurzes Spiel kann helfen, sich besser zu fühlen – es macht einen aber nicht automatisch aufmerksamer oder leistungsfähiger
Die Forschung bezieht sich also auf Casual Games und kommerzielle Videospiele im Allgemeinen – nicht speziell auf die folgenden vier Titel. Diese lassen sich deshalb nicht als wissenschaftlich geprüfte Lern- oder Entspannungsangebote bezeichnen. Ihre Gestaltung weist jedoch Merkmale auf, die gut zu den untersuchten Formen kurzer, niedrigschwelliger Spielerholung passen.